Carp La Familia
  Wels - Waller
 

                                  Silurus glanis
 

Kennzeichen und Besonderheiten:

Die Körperform des Welses ist so typisch, dass Verwechselungen mit anderen europäischen Fischarten ausgeschlossen sind. Der Körper ist lang gestreckt und im vorderen Drittel an der Bauchseite abgeplattet (sog. Bodenform). Dominierend wirkt der kräftige Kopf mit dem breiten, leicht oberständigen Maul. Die beiden kräftigen Kiefer sowie Gaumen und Pflugscharbein sind mit kleinen, scharfen Hechelzähnen bestückt. Auffälligste Organe am Kopf sind die Barteln. Zwei sehr lange, nach allen Richtungen bewegliche Bartfäden sitzen am Oberkiefer, vier kürzere am Unterkiefer. Was die Beflossung angeht, so fällt die vergleichsweise winzige Rückenflosse im vorderen Rückenbereich sowie die außerordentlich lange Afterflosse auf. Die Augen des Fisches sind im Vergleich zur Körpergröße sehr klein - ein Hinweis darauf, dass für den Waller der Gesichtssinn im Vergleich zu anderen Sinnesorganen von eher untergeordneter Bedeutung ist. Tast- und Geruchsinn spielen sowohl bei der Nahrungssuche als auch für das Erkennen von Artgenossen, beispielsweise während der Laichzeit (Mai, Juni, je nach Wassertemperatur), eine wichtigere Rolle. Gleiches gilt für das Gehör der Fische. Auf Grund einer Verbindung zwischen Schwimmblase und Innenohr (Webersche Organ) hören Welse ausgezeichnet. Die haut ist glatt und schuppenlos. Wie bei allen Fischen ohne Schuppen wird besonders viel Hautschleim abgesondert. Zu erwähnen ist das Welse wie viele Cyprinidenarten in bestimmten Zellen der Oberhaut einen Schreckstoff speichern, der bei Verletzung freigesetzt wird und Artgenossen zur Flucht veranlassen. Bei Sauerstoffmangel im Wasser können bis zu 25% des benötigten Sauerstoffes über so genannte Hautatmung aufgenommen werden. Welse weisen in der Regel eine sehr dunkle Körperfärbung auf. Schwarz-, Braun- und Grüntöne überwiegen. Meist sind die Körperseiten marmoriert, die Bauchseite weißlich gefärbt. Albinismus tritt bei Welsen, vergleichsweise mit anderen Fischarten, häufig auf. Der Wels hat in Europa nur einen einzigen Verwandten, den in Griechenland beheimateten Aristoteleswels (S. aristoteles). Er sieht ähnlich aus wie der Waller, wird jedoch nicht so groß und hat nur 2 Barteln am Unterkiefer und 2 Barteln am Oberkiefer.

Verbreitung und Lebensraum:

Der Wels kommt in Mittel- und Osteuropa vor, ebenso im mittleren und südlichen Russland sowie in der Türkei und in Nordsyrien. Er gehört zu den wärmeliebenden Fischarten und gedeiht am besten in langsam fließenden, tiefen Flüssen und größeren Seen mit weichem Untergrund. Durch die klimatischen Veränderungen ist der Wels in ganz Europa auf dem Vormarsch und erschließt immer neue Gebiete der Seen und Flüsse, auch die Abwachsraten steigen. In einigen Gebieten dringt er bis in die Brackwassergebiete der Meere vor. Der Wels versteckt sich tagsüber am liebsten an tiefen Stellen des Gewässers hinter Steinen und Wurzel oder sucht Kolken und Höhlungen auf.

Verhalten:

Während sich junge Welse oft zu losen Verbänden zusammenschließen, sind alte Tiere Einzelgänger. Welse liegen tagsüber in ihren Schlupfwinkeln. Mit Einbruch der Dämmerung und nachts gehen sie auf Beutejagd, oftmals bis in ganz seichtes Wasser hinaus. Es gibt im übrigen kaum ein aufregenderes Erlebnis für den Angler, als während eines warmen Sommerabends an einem guten Welsgewässer (Neckar, Rhein, Mosel, Po, Saone, Rhone, Ebro) zu sitzen und die Jagd der Welse zu beobachten. Für den Fang des Fisches während des Tages ist die Methode des Anlockens mit dem Wallerholz und vor allem das Spinnfischen mit großen Kunstködern die beste Lösung. Begründet wird dies mit den akustischen Signalen die diese Methoden auslösen und die große Wasserfläche die man dabei absucht. Geräusche lösen beim Waller Neugierde aus, die ihn dazu veranlasst seine Unterschlüpfe zu verlassen und sich auf die Suche zu begeben. Bei der Jagd entstehen laute Schlürf-, Schmatz- und Schlaggeräusche und so ist er für den Angler dabei leicht auszumachen. Welse reagieren auf Luftdruckschwankungen, die sie über ihre Schwimmblase registrieren, und auf Veränderungen des Wasserstandes empfindlich. Wobei sich allgemein fallendes Wasser negativ und steigendes Wasser positiv auswirkt und auch ein niedriger Luftdruck von Vorteil ist. Naturgemäß wird das Fressverhalten der Welse stark von der Wassertemperatur beeinflusst. Den größten Appetit zeigt er vor und nach der Laichzeit und im Herbst wo er sich eine dicke Fettschicht anfrisst. Sobald die Wassertemperaturen unter 10°C absinken, reduziert der Fisch die Nahrungsaufnahme erheblich und stellt sie unter 4°C ein.

Ernährung:

Die Welsbrut beginnt, sobald die Reserven des Dottersackes abgebaut sind, ein gefräßiges Dasein. Die Fischchen versuchen sowohl in Bodennähe als auch an der Wasseroberfläche Planktonorganismen zu erbeuten. Sie wachsen sehr schnell und stellen sich bald auf größere Nahrung (Schnecken, Zuckmückenlarven, Würmer) ein. Ab einer Körperlänge von 2 bis 3cm bleibt die Brut anderer Fischarten ebenso wenig verschont wie die eigenen Artgenossen- letztere vor allem wenn die Nahrung insgesamt knapp wird. Bis zum ersten Lebensjahr überwiegen jedoch wirbellose Kleintiere.

Der erwachsene Waller gilt als gefräßiger Räuber. Seine Nahrung ist im Vergleich zu anderen Raubfischen jedoch vielseitig. Es dominiert naturgemäß Fisch, daneben spielen Würmer, Krebse, Schnecken, Muscheln und Insekten eine nicht unbedeutende Rolle. Auch Frösche, Mäuse, Ratten und Wasservögel werden nicht verschmäht. Der Wels galt jahrzehntelang als Schädling für die Fischbestände. Vielerorts war man bestrebt, ihn kleinzuhalten, wenn nicht gar auszurotten. Neuere Erkenntnisse über seine Ernährung zwangen jedoch zum Umdenken. In seiner Nahrung dominieren nämlich kleine Fische wie Plötze, Karausche, Güster und Ukelei. Hinzu kommt, dass der Wels die Nahrungsressource seines Lebensraumes weit vollständiger ausnutzen kann als etwa Hecht und Zander. Er übertrifft diese Fische im übrigen auch im Hinblick auf die Futterverwertung.

 
   
 
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